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Trainingsmethodik

von Andreas Weitzel

Diejenigen, die Michail Ryabko seit vielen Jahren kennen, erinnern sich daran, dass er früher nichts bzw. extrem wenig mit Worten erklärt hat. Stattdessen hat er seine Studenten alles spüren lassen. Und zwar solange, bis das Wesentliche verstanden wurde. Ein Student hat Erfahrungen körperlicher und psychischer Art gesammelt, sie analysiert, eigene Vorgehensweise entwickelt, das Gelernte den eigenen körperlichen und psychischen Fähigkeiten angepasst und gleichzeitig diese Fähigkeiten erweitert und vertieft. Und das alles in selbständiger Arbeit. Michail stand ihm zwar immer mit Rat und Tat zur Seite, aber er hat dem Studenten eins nie weggenommen - seine Freiheit. Freiheit in jedem Sinne - Entfaltungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit usw. Natürlich hat er den Studenten auf dessen Fehler hingewiesen, aber diese Hinweise waren äußerst dezent, unsichtbar, fast auf der Unterbewusstseinsebene. Auf diese Art und Weise mussten sich die Studenten alles sehr hart erarbeiten und immer aufmerksam zuhören und zuschauen, um keinen wertvollen Hinweis von Michail zu verpassen.

Heute findet der Unterricht oft auf Seminaren und Lehrgängen statt. Man sieht die Leute verhältnismäßig selten. Deswegen wird heute auch sehr viel mehr erklärt, damit die Leute auch theoretisch fit werden. Es ist auch ein möglicher Weg. Wichtig ist aber immer noch, sehr aufmerksam zuzuhören und zuzuschauen, um nichts Wesentliches zu verpassen. Aber es gibt immer noch viele Aspekte, die man NUR aus eigener Erfahrung lernen kann. Und hier ist es wichtig, dass der Student es richtig versteht, wenn der Trainer darauf besteht, dass der Student ausreichend Erfahrungen mit dem Thema macht, bevor der Trainer ihm etwas erklärt. Das ist eine Frage des Vertrauens zwischen dem Trainer und dem Studenten.

Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die man oft beim Zuhören und Zusehen erfährt. Sie sind meistens psychologischer, philosophischer und geistiger Art. Und sie sind meistens sogar wichtiger, als jedes technische Aspekt. Dabei kommt es darauf an, dass der Trainer willig ist, sie dem Studenten zu vermitteln, und der Student bereit (reif) ist, sie zu empfangen und zu verstehen. Bei einer Unreife betrachtet der Student das Gehörte bzw. Gesehene als unnützliches Zeug, vergisst es schnell, schenkt dem Ganzen keine Beachtung und kehrt zu seinem technischen Training zurück. Was er dabei nicht versteht, ist, dass er gerade die Chance wegwirft, in seinem Training qualitativ aufzusteigen. Und zwar auf ein Niveau, das er mit keiner körperlichen Übung allein je erreichen wird.

Wie man sieht, ist das Training im Systema sehr vielschichtig und kann auf viele Arten und Weisen vollzogen werden. Welche Trainingsmethode schließlich besser ist, sei erstmal dahingestellt. Wichtiger ist, dass der Student weder zu faul ist, eigene Erfahrungen zu machen, noch zu stolz ist, die Erfahrungen des Trainers anzunehmen. Dann entwickelt sich mit der Zeit ein Fortschritt, der uns alle konstant voranbringt.

15.06.2005


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