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Kampfkunstlehrer
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artikel Sambo Entstehungsgeschichte von Andreas Weitzel Sambo ist eine russische Kampfkunst, die heute weltweit als sportlicher Ringkampf oder als Selbstverteidigung ausgeübt wird. Das Wort „Sambo“ bedeutet „Selbstschutz ohne Waffen“ (russ. SAMosaschtschita Bes Oruschija). Die Geschichte des Sambo ist genauso geheimnisvoll und dramatisch, wie die Geschichte des Staates, in dem dieser Ringkampf in den 30er Jahren des 20. Jh. entstand – Russland, zu jener Zeit die Sowjetunion. 1917 entflammten nacheinander zwei Staatsstreiche in Russland: Zuerst die Februar-, dann die Oktoberrevolution. Die Folge davon war ein Bürgerkrieg, der von Anhängern der kommunistischen Partei gewonnen wurde. Bereits während des Krieges, aber auch danach versuchten neue Machthaber ihre Position dadurch zu stärken, dass sie sämtliche alten Traditionen vernichteten und neue einführten. So ist es auch mit Kampfkünsten nicht anders gewesen. Auf einer Seite bekämpfte man Kosaken, die Träger der altrussischen Kampfkunsttradition mit ihrem Ringkampf, Faustkampf und Waffenkampf waren, und Polizeioffiziere, die sich mit der polizeilichen Selbstverteidigung und Eingriffstechniken bestens auskannten. Auf der anderen Seite stellte man eigene Polizei und Armee auf, die dieses wertvolle Wissen brauchte. Wie so oft, fand man einen Ausweg, indem man entschied, eine neue „sowjetische Kampfkunst“ zu entwickeln. Im Laufe der Jahre machten drei Kampfkunstspezialisten in diesem Zusammenhang auf sich aufmerksam: Wasilij Oschtschepkow, Viktor Spiridonow und Anatolij Harlampijew. Wasilij Oschtschepkow wurde auf der Insel Sachalin geboren und wuchs als Waisenkind in einem Internat, das der russisch-orthodoxen Kirche gehörte, in Japan auf. Im Sportunterricht stand Judo auf dem Programm. Nach einiger Zeit bestand der fleißige Junge die Prüfung und wurde in die Kodokan-Schule aufgenommen. Dort bekam Wasilij seinen ersten und später den zweiten Dan von Jigoro Kano, dem Gründer des Judo. Nach 1917 kehrte Wasilij nach Russland zurück und arbeitete für den Geheimdienst der Roten Armee sowohl in Ostrussland, als auch in China und Japan. Nach dem Krieg war er eine Zeit lang als militärischer Übersetzer tätig, doch dann beschäftigte er sich immer mehr mit der Nahkampfausbildung der Soldaten und Offiziere. Schließlich bekam er eine Stelle als Lehrer für Ringkampf und Selbstverteidigung an der Sporthochschule Moskau. In Moskau forschte Wasilij zusammen mit seinen Studenten auf dem Gebiet der Kampfkünste und versuchte, einen effektiveren Ringkampf, als das Judo, zu entwickeln, nachdem er Defizite der japanischen Kampfkunst in zahlreichen Kampfeinsätzen und Übungskämpfen festgestellt hatte. Als Grundlagenstoff für seine Forschungen nahm er das Wissen und Können seiner Studenten, die aus verschiedenen Regionen der Sowjetunion kamen und Kampfkunsttraditionen und Ringkampfspezialitäten ihrer Nationen mit sich brachten. Diese Forschungsarbeit wurde nicht lange fortgesetzt, da Wasilij Oschtschepkow 1937 verhaftet, der Spionage beschuldigt und hingerichtet wurde… Viktor Spiridonow war ein Offizier der zaristischen Armee vor der Revolution. Man berichtet, dass er sich sein Wissen um die Kampfkünste zum größten Teil aus Büchern und Kämpfen in einem Selbststudium beibrachte. Augenzeugen bestätigen, dass er sich gut mit Boxen, Ringen und Jiu-Jitsu auskannte. Nach der Machtübernahme durch Kommunisten, entschloss sich Viktor Spiridonow, dem neuen Staat zu dienen. Er landete bei dem NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) und unterrichtete dort Selbstverteidigung. Gleichzeitig arbeitete er auch an der „neuen Kampfkunst“. Er entwickelte einige theoretische Vorlagen zur Strukturierung dieser Kampfkunst, erfand Namen für einige Techniken, arbeitete die ersten Wettkampfregeln aus. Seinem „Kind“ gab er zunächst den Namen „Sam“, dann „Samos“ („samosaschtschita“ heißt Selbstschutz) und schließlich „Sambo“. Allerdings blieb es Theorie. Bei Vergleichskämpfen verloren seine Schützlinge stets gegen Studenten von Oschtschepkow… Anatolij Harlampiew war der dritte im Bunde. Seine Person ist die bekannteste und zugleich die geheimnisvollste und umstrittenste in der Geschichte des Sambo. Anatolij stammte aus einer Familie der Kampfkünstler. Sein Großvater war ein berühmter Meister des altrussischen Faustkampfes. Sein Vater kannte sich bestens mit dem altrussischen Faustkampf aus, war aber auch ein bekannter Boxer und verdiente damit seinen Lebensunterhalt. Anatolij übte sich seit seiner Kindheit im Faustkampf, er konnte aber genauso gut boxen und ringen. Als er auf die Moskauer Sporthochschule ging, wurde er Student von Wasilij Oschtschepkow. Dort wurde er mit der Idee der „neuen Kampfkunst“ regelrecht „angesteckt“. Er begann, selbst zu forschen und zu experimentieren. Seine Basis war in erster Linie die traditionelle russische Kampfkunst (in dem Umfang, wie sie ihm zugänglich war) und volkstümliche Ringkampfarten anderer Nationen der Sowjetunion. Auf einer Seite erkannte er Fehler von Oschtschepkow, der immer noch viel zu sehr ans Judo gebunden war, und Spiridonow, dessen Forschungen sich mehr auf theoretische Ausarbeitungen beschränkten, die sich aber nicht auf praktische Erfahrungen stützten. Auf der anderen Seite durfte er die „neue Kampfkunst“ nicht in Verbindung mit der damals als „konterrevolutionär“, „volksfeindlich“ und „reaktionär“ geltenden altrussischen Kosakentradition bringen. 1938 stellte Anatolij Harlampijew sein eigenes Konzept unter dem Namen „Sowjetisches Ringen des freien Stils“ vor, dem alle Trainer, die an der Entwicklung der „neuen Kampfkunst“ arbeiteten, zustimmten. In der Erklärung sagte er, dass die Basis der „neuen Kampfkunst“ das russische Ringen und Ringkamparten der Völker der Sowjetunion sei. Allerdings stellte sich bald heraus, dass der Name etwas unglücklich gewählt wurde, denn es gab bereits eine in der Sowjetunion noch unbekannte Ringkampfart, die „Freistilringen“ hieß. Daraufhin bekam die „neue Kampfkunst“, die sich im staatlichen Auswahlverfahren durchsetzen konnte, den gut klingenden Namen „Sambo“, den Viktor Spiridonow für seine eigene Entwicklung erfunden hatte. Nach dem 2. Weltkrieg setzte Anatolij Harlapijew seine Arbeit fort und übernahm die Leitung der Entwicklung von Sambo in der Sowjetunion. Er teilte seine Kampfkunst in zwei „gleichberechtigte“ Bereiche: Das sportliche Sambo-Ringen (russ. „bor’ba sambo“), das als Basis der ganzen Kampfkunst diente, und das Combat Sambo (russ. „bojewoje sambo“), das als Grundlage für den militärischen und polizeilichen Nahkampf dienen sollte. Heute unterscheidet man zwischen dem Sambo-Ringen (sportliche Wettkampfdisziplin mit Würfen und Hebeln), das immer nach wie vor die Basis des gesamten Sambo bleibt, dem Combat Sambo (sportliche Wettkampfdisziplin mit Würfen, Hebeln, Würgern, Schlägen und Tritten) und der Sambo-Selbstverteidigung. Quellenverzeichnis: *Alle Büchertitel sind aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt! 07.08.2003, ergänzt 2005, Deutschland
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