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Kampfkunstlehrer
& Kampfsporttrainer Referent, Autor |
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artikel SYSTEMA: Kampf- und Gesundheitstraining von Andreas Weitzel In der Altrussischen Kampfkunst SYSTEMA werden die Aspekte „Kampf“ und „Gesundheit“ zu einer Einheit verschmolzen. Was ist der Grund dafür? Nun, es ist die wichtigste Regel von Systema: Alles, was die Seele, den Geist, den Körper eines Menschen, seine Familie, die Gesellschaft und den Staat zerstört, ist falsch; alles, was die menschlichen Seele, Geist und Körper, die Familie, die Gesellschaft und den Staat aufbaut und stärkt, ist richtig. Damit ist der Grundstein für ein Training gelegt, das unsere Gesundheit auf jeden Fall fördern und pflegen soll. Nur dann können wir das Training als richtig bezeichnen. Wie wird diese Idee in die Praxis umgesetzt? Bevor man sich im Systema mit dem Kampf beschäftigt, widmet man sich Aspekten, die auf den ersten Blick so „alltäglich“ erscheinen, dass man sie am häufigsten übersieht und vernachlässigt. Wie soll man richtig atmen? Wie soll man liegen, sitzen, stehen, gehen, laufen, springen, rollen? Das sind die wichtigsten Fragen, mit denen sich ein/e Neueinsteiger/in im Systema beschäftigt. Und das werden die Fragen sein, mit denen er/sie sich immer beschäftigen wird, solange er/sie SYSTEMA trainieren wird. Mit der Zeit werden die Fragen nur tiefsinniger, detaillierter, präziser. Man fragt sich irgendwann, wie man seinen Puls und Blutdruck unter Kontrolle hält. Oder, wie man eine normale Körpertemperatur erreicht. Und genau das lernt man im SYSTEMA-Training. Selbstverständlich nicht an einem Tag, und auch nicht in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr, denn um dieses Wissen zu erlangen, braucht man viel Geduld, Ausdauer, Aufmerksamkeit, Fleiß, aber vor allem Vertrauen, die nur die wenigsten Menschen mit sich bringen. Das bedeutet, dass man lernen muss, geduldig, ausdauerfähig, aufmerksam und fleißig zu sein, bevor man überhaupt erste Früchte seiner Mühe sieht. Und man muss lernen, anderen Menschen, sei es der Trainer oder die Trainingspartner, zu vertrauen. Muss es aber sein? Muss ein Kampfkunsttraining gleich gesundheitsfördernd sein? Würde es nicht reichen, wenn es einfach nicht gesundheitsschädlich wäre? Nein, es wäre das Gleiche, als wenn man einem Menschen seine Hilfe in einer Notsituation verweigern würde. Und oft befinden sich die Menschen, die ins Kampfkunsttraining kommen, in einer wahren gesundheitlichen Notsituation. Sie kommen mit Knie- und Rückenschmerzen, Schulterarthritis und chronischen Kopfschmerzen, Bluthochdruck und verspannter Muskulatur. Ganz zu schweigen von denen, die von ihrem Alltag psychisch überfordert sind (die letzten offiziellen Studien haben ergeben, dass jeder vierte Erwachsene in Deutschland unter psychischen Erkrankungen, z.B. Depressionen, leidet). Selbstverständlich brauchen diese Menschen in erster Linie eine ärztliche Hilfe. Aber was ist eine ärztliche Hilfe wert, wenn man sie in seinem Alltag zunichte macht? Das bedeutet, dass man auch seinen Alltag umstellen kann. Oft hilft ein einfaches Loswerden von falschen Gewohnheiten und Fehlverhalten (ungleichmäßige Atmung, falsche Knie- und Wirbelsäulenbelastung, häufiges Anspannen von für eine Bewegung unnötigen Muskeln usw.). Und genau da kann SYSTEMA mit seinen ausgeklügelten und effektiven Trainingsmethoden helfen. Was bietet denn SYSTEMA zur Gesundheitsförderung? Als Erstes ein breites Spektrum an einfachen, aber wirksamen Atem- und Körperübungen in Statik und Bewegung, die folgende Bereiche des Menschen stärken und fördern: Atmungssystem, zentrales Nervensystem, Immunsystem (!), Stütz- und Bewegungsapparat (Knochen, Bänder, Gelenke, Muskeln usw.), Herz- und Blutkreislaufsystem und mehr. Als Nächstes bietet es eine natürliche und ganzheitliche Atem- und Bewegungskultur, die man direkt auf seinen Alltag übertragen und somit eine solide Grundlage für eine intensive und effektive Krankheitsvorbeugung bilden kann. Und außerdem enthält SYSTEMA einfache Lockerungs- und Entspannungsmassagen, die je nach Anwendung eine wärmende, beruhigende, belebende oder auch stärkende Wirkung auf einen Menschen haben können. Muss aber jeder das Kämpfen lernen? Nein, auf keinen Fall. Das Wissen um die Gesundheitsförderung, das im SYSTEMA enthalten ist, kann unabhängig von dem Kampftraining überall eingesetzt werden. Es kann in jedes Sporttraining oder jeden Sportunterricht eingebaut werden. Man kann viele Übungen bei seinen täglichen Tätigkeiten, wie z.B. auf dem Weg zur Arbeit, im Büro, bei schwerer körperlicher Arbeit, im Haushalt usw. machen oder damit einer kommenden Krankheit vorsorglich entgegenwirken. Wozu lernt man dann das Kämpfen im SYSTEMA? Nun, abgesehen davon, dass man im SYSTEMA der Meinung ist, man solle sich gegen verschiedene Angriffe (darunter körperliche und verbale Übergriffe, psychischen Stress, Krankheiten, Unfälle usw.) schützen können, dient das Kampftraining in erster Linie dazu, dass man lernt mit der psychischen und körperlichen Belastung bzw. Gewalt umzugehen. Eine zu hohe Belastung wird abgebaut und ausgeglichen. Die Gewalt wird auf eine Weise „neutralisiert“ und „gelöscht“, die keine Eigenbelastung zulässt. Auf diesem Weg lernt der/die Anwender/in, eine gesunde Psyche und einen gesunden Körper in jeder Stress- bzw. Notsituation zu bewahren, ohne auf eine übertrieben hohe Gewalt zurückzugreifen und seine/ihre Umwelt und Mitmenschen damit zu schaden. 18. 0ktober 2005
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